Investoren- und Architekten-Auswahlverfahren

Neue Mitte Rheinstetten

Städtebauliches und architektonisches Konzept

Mit der "neuen Stadtmitte Rheinstetten" entsteht an der Nahtstelle zwischen Rheinstetten und Forchheim ein verbindendes städtebauliches Element zwischen den beiden Stadtteilen.
Mit dem neuen Zentrum können die beiden Stadtgebiete weiter zusammen wachsen. Der Bebauungsplan sieht einen Marktplatz vor, der von den beiden Baufeldern A1, A2 und einem durch die Stadt geplanten Kultur-Stadt-Haus flankiert wird. So entsteht für die ca. 20.000 Einwohner und weiter wachsende Stadtgemeinschaft endlich ein zentraler, identitätsstiftender urbaner Platz. Die Baufelder sind durch Baulinien und -grenzen des Bebauungsplanes eng umrissen. Das Baufeld A1 bildet die prägende nordöstliche, das Baufeld A2 die südwestliche Raumkante des Stadtraumes.

Nutzung Baufeld A1

Im Erdgeschoss ist ein Vollsortimenter mit Backshop und einer Verkaufsfläche von 2.500 m² und ein Drogeriemarkt mit 600 m² geplant. Der Hauptzugang erfolgt über den Marktplatz in ein zweigeschossiges Foyer als Eingangshalle. Ein zweiter Zugang zum Vollsortimenter besteht über die Rappenwörthstraße. Eine kleine Shoppingmall verbindet die beiden Eingänge mit den Gewerbeflächen und dem Foyer. Über eine frei stehende Treppe im Foyer sowie die drei Aufzugsanlagen gelangt man auch in das 1. Obergeschoss mit Verwaltungs- und Dienstleistungsangeboten. Die Aufzüge verbinden die Tiefgarage mit dem 1. Obergeschoss. Ebenso kann durch die gastronomische Nutzung (Backshop) eine mögliche Außenbestuhlung den Platz bespielen. Durch die im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss aufgelöste Tragstruktur des Gebäudes sind unterschiedliche Zuschnitte und Größen der Nutzungseinheiten möglich. Das 1. Obergeschoss kann mit einem Büro- und Diensleistungszentrum mit 3.850 m² Nutzfläche beplant werden. Dabei ist denkbar, die Etage komplett an nur einen Nutzer zu vergeben, aber auch eine Multi-Tenant-Variante ist möglich. Dann kann ein zweiter Eingang auf Seite der Querspange aktiviert werden.
Die Lichthöfe im 1. Obergeschoss bilden den grünräumlichen, für die Mitarbeiter nutzbaren geschützten Außenbereich. Außerdem können dadurch die Büroflächen beidseitig belichtet werden. Ab dem 2. Obergeschoss werden insgesamt 44 Wohnungen auf zwei Etagen angeboten. Es ist ein vielfältiger Wohnungsmix mit 2-, 3- und 4-Zimmer-Appartements konzipiert. Die Haupterschließung der Wohnungen erfolgt über die Rappenwörthstraße und den zweiten Zugang an der Querspange / der Grünzone im Südosten. Auf der Etage erfolgt die Erschließung über Laubengänge. So ist es möglich, mit relativ wenigen Erschließungskernen auszukommen und dadurch die Ladenzone und auch die Tiefgarage nur wenig zu stören. Die Laubengänge sind großzügig ausgelegt und ihre Struktur so ausgebildet, dass unterschiedliche Zonierungen entstehen und die Bewohner diese im unmittelbaren Vorbereich der jeweiligen Wohnung bespielen können.
Alle Wohnungsgrundrisse orientieren sich nach Südosten bzw. Südwesten, also entweder zur Grünzone, zum Marktplatz oder in Richtung des geschützten Innenhofes. An den zu den Straßenseiten hin orientierten Gebäudefassaden sind Laubengänge verortet. Somit kann dadurch auf die Verkehrs- und Lärmsituation positiv Einfluss genommen werden. Die Wohn- und Schlafbereiche orientieren sich zu den straßenabgewandten Fassaden. Nach außen gerichtete Loggien erhalten eine Verglasung in Fassadenebene, um trotz der Lärmsituation adäquate Freibereiche zu schaffen. Die Zufahrt zu den ca. 408 PKW-Stellplätzen in der Tiefgarage erfolgt über die im Bebauungsplan verortete Position. Hier ist auch die Andienung der Ladengeschäfte mittels einer Ladezone im Gebäude gewährleistet., wobei die Anlieferzone der Läden als Durchfahrt geplant ist.

Nutzung Baufeld A2

In dem vollflächig überbauten Erdgeschoss sind drei Ladengeschäfte und eine Erlebnisgastronomie geplant. Darunter ist unter anderem eine Bank als Ankermieter an der Ecke zum Platz möglich. Ebenso kann durch die gastronomische Nutzung eine mögliche Außenbestuhlung den Platz bespielen. Durch die im Erdgeschoss aufgelöste Tragstruktur des Gebäudes sind unterschiedliche Zuschnitte der Nutzungseinheiten möglich. Ab dem 1. Obergeschoss ist ein Pflegeheim denkbar. Der Zuschnitt des Baukörpers macht eine optimale Bespielung mit jeweils zwei Wohngruppen à 15 Bewohner pro Etage möglich. Der Dachgarten im 1. Obergeschoss bildet den grünräumlichen, für die Bewohner nutzbaren Außenbereich, die zentral gelegenen Aufenthaltsbereiche der Wohngruppen mit den im 2. Obergeschoss vorgelagerten überdachten Terrassen sind zum Garten bzw. zum gemeinschaftlichen Grünraum orientiert, jeweils mit direktem Ausgang in die Freiräume. Im Dachgeschoss befindet sich neben einer weiteren Wohngruppe noch ein Bereich für Tagespflege. Der vorgelagerte Dachgarten ist für diese ebenfalls nutzbar. Die Lage des Pflegeheims direkt an der neuen Mitte mit der unmittelbaren Nähe zu den neuen Geschäften und zur Gastronomie sowie eine mögliche Bespielung des Platzes durch einen Wochenmarkt stellt für die Bewohner den direkten, sozialen Bezug zum öffentlichen Leben dar und hält diese so weiter in der gesellschaftlichen Mitte. Die Haupterschließung des Pflegewohnheimes erfolgt über die Rappenwörthstraße. Die Zufahrt zu den 54 PKW-Stellplätzen der Tiefgarage erfolgt über die im Bebauungsplan verortete Position über die Siegelgrundstraße. Hier ist auch die Andienung der Ladengeschäfte gewährleistet.

Materialität

Es sind zwei ruhige, unaufgeregte Baukörper entstanden. Die Verwendung von wenigen Materialien wie die fein strukturierten Architekturbetonfassaden, Aluminiumfensterelemente und Glas sowie dezent eingesetzte Farbakzente betonen die ruhige Ausstrahlung des Gebäudes.
Das Gebäude auf Baufeld A1 ist im Sockelbereich durch Fenster- und Architekturbetonbänder geprägt, in den Obergeschossen der Wohnnutzung durch eine Lochfassade mit Putzstruktur. Im Sockelbereich wird der Baukörper durch gezielte Rücksprünge und Öffnungen strukturiert.
Das Gebäude auf Baufeld A2 ist durch eine Lochfassadenstruktur geprägt, im Erdgeschossbereich wird der Baukörper durch gezielte Rücksprünge und Nutungen strukturiert und durch die raumhohen Verglasungen geöffnet. Flachdächer werden, wo nicht genutzt, extensiv begrünt, und die durch Wege, Terrassen, Beete und intensive Begrünung gestalteten Dachgärten bilden die 5. Fassade des Gebäudes.

Energieeffizienz

Auf die ökonomischen und ökologischen Aspekte wird unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung besonders Wert gelegt. Heizung und Warmwasserbereitung erfolgen über das bis 2020 in die neue Stadtmitte verlegte Fernwärmenetz der Stadtwerke Karlsruhe. Dieses ist durch die Nutzung von Abwärme und einen dadurch erzielten Primärenergiefaktor von derzeit 0.26 sehr klimaschonend. Die hochwärmegedämmten Hüllen der beiden Gebäude verringern den Wärmebedarf. Eine Kühlung der Bürozonen kann mittels einer Betonkernaktivierung erfolgen.
Die Bauteile der Fassaden sind nach Ende der Lebenszykluszeit einfach zu separieren und zu recyclen.
Die Gebäude verfügen über eine Lüftungsanlage. Durch schallgedämmte Zuluftöffnungen ist eine durch die Bewohner individuell einstellbare natürliche Belüftung möglich.


Standort:
Rheinstetten

Auslober:
Stadt Rheinstetten

Wettbewerbsart:
Investoren- und Architekten-Auswahlverfahren

Entwurf:
Dipl.-Ing. Marcus Böttcher

Ergebnis:

Teilnahme

Leistungsphasen:
1-2

Fertigstellung:
2018